Katholische Schulen – igitt, igitt!

In einer Gemeinde des Kreises Euskirchen hatten vor Jahren rechtskonservative katholische Kreise knapp durchgesetzt, dass die dortige Grundschule eine katholische Schule wird.

Alle wussten, dass der Schulträger, nämlich die zuständige Gemeinde, alleiniger Kostenträger ist, will heißen, die katholische Kirche gibt nicht einen Cent dazu.

Aber sie hat das Kommando!!

SchuleiterInnen und deren VertreterInnen unterliegen dem eigenwilligen Arbeitsrecht der katholischen Kirche. Will heißen, geschiedene BewerberInnen oder solche die lesbisch oder schwul sind, kommen z.B. niemals zum Zuge – auch in Zeiten weniger BewerberInnen auf viele Stellen!

Aber „Mutter Kirche“, die ja ein „eigenes Verhältnis“ zu Kindern hat, geht noch weiter:

Sind genügend Plätze für neue Schüler vorhanden, werden die Kinder allesamt aufgenommen. Es handelt sich jedoch um eine Schule im Bezirk etlicher Neubaugebiete. Daher ist die Nachfrage größer als das Angebot.

Deshalb werden in diesem Fall NUR katholische Kinder aufgenommen; das wird definiert mit einer statt gefundenen Taufe.

Am Wochenende traf ich ein Ehepaar, das ich in meiner aktiven Zeit als Standesbeamter getraut hatte. Sie erzählten mir, dass ihre beiden Jungs für die betreffende Schule von ihnen angemeldet wurden, weil sie ganz nahe an der Schule wohnen.

Die Kinder sind nicht getauft, weil die Eltern ihnen die Religionswahl im entsprechenden Alter überlassen wollen.

Die Mutter ist evangelisch, der Vater aus den guten Gründen dieser Zeit aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Die Kinder wurden abgelehnt, aber es wurde anheim gestellt, sie schnellstens taufen zu lassen. Ein Mensch mit Anstand lässt sich in dieser Weise nicht erpressen! So auch dieses Elternpaar nicht.

Es berichtete mir, dass etliche Eltern dem Aufruf nach einer schnellen Taufe oder/und mit einem Wiedereintritt in die katholische Kirche die Chancen der Kinder verbessern wollen bzw. es schon getan haben. Manche sind vor nichts fies.

Ich habe die Schulleiterin angerufen; sie hat mir die geschilderte Sachlage bestätigt.

Es ist wichtig, diesen ungeheuerlichen Vorgang zu kommentieren:

  1. Die Eltern aller Kinder finanzieren die genannte Schule über ihre Steuerzahlungen mit. Allein deshalb dürfte die Aufnahme von nur katholischen Kindern verfassungswidrig sein.
  2. Es ist eine Beschwerde beim Bverfg angeraten, weil es unmöglich statthaft sein kann, dass eine Kirche ohne mit zu finanzieren, a l l e Regeln vorgeben kann.
  1. Es ist zu befürchten, dass evangelische, muslimische oder ungetaufte Kinder bewusst außen vorgelassen werden. Das könnte unter Umständen einen Vorwurf von Rassismus (z.B. bei muslimischen Flüchtlingskindern) bedeuten. Vielleicht will man mehr „unter sich“ sein.
  2. Zur „Taufe“ sage ich, dass damit hauptsächlich Kirchensteuerzahler rekrutiert werden, möglicherweise auch zugespitzt gesagt mögliche Opfer sexueller Gelüste von geistlichen Personen.
  1. Der Staat betrachtet völlig ungesetzmäßig die Taufe als Eintritt in die Kirche und verlangt dafür auch einen Austritt vor staatlichen Behörden (Amtsgerichte, Standesämter, in Ausnahmefällen Notaren). Ich sage: wer nicht ausdrücklich seinen Eintritt erklärt hat, muss auch nicht seinen Austritt erklären.

Ich halte fest, dass der Staat im Durchschnitt für einen Austritt 30 Euro Gebühren erhebt. Erhöhungen der Gebühren sollen beabsichtigt sein.

Wie bei den unendlichen nicht rechtsgültigen Privilegien der Kirchen, die der Staat erteilt, liegt auch hier eine unrechtsmäßige Verquickung vor.

Ich darf ein mieses Beispiel anführen: Das Erzbistum Köln besitzt in Köln auf der Schildergasse das C & A -Haus. Es ist von der Steuerzahlung der Grundsteuern A und B „wegen Gemeinnützigkeit“ befreit. Aha, Klamottenverkauf ist gemeinnützig!

Wir halten fest: die Eltern eines Kindes, das eingeschult werden will, zahlt fürs eigene Haus an die Gemeinde im Durchschnitt ein Monatsgehalt eines Elternteils für die genannten Steuern.

Es ist etwas faul im Staate Dänemark, sagt jemand in einem berühmten Theaterstück!

Da sind meine Leser und ich doch sicher einer Meinung!

1 Kommentar

  1. Martina Patterson

    Danke für die Bekanntmachung dieses ungeheuerlichen Vorgangs! Ich bin fassungslos, dass die kath. Kirche sich eine solche Dreistigkeit – Nötigung/Erpressung zur Taufe von einschulungswilligen Kindern – im Jahre 2022 und nach Bekanntwerden all der Missbrauchsskandale!
    Offensichtlich sind die Kirchenmänner immer noch gut vernetzt im Stadt-/Gemeinderat… Man kennt sich, man versteht sich?? Zu Lasten von Schulkindern?!!
    Diese Art von Klüngel gehört strikt unterbunden!

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.