Gestaltung von Patenschaftsversprechen und den Feiern dazu

  

Insbesondere die katholische Kirche hat bei der Bekanntgabe der Austrittszahlen für 2016 beklagt, dass die Zahl der Taufen erheblich zurück geht. Sie macht dafür natürlich andere Gründe aus als ich.

 

Ich bekomme viele Anfragen, ob ich bereit sei, Patenschaftsversprechen zu moderieren, denen auch ausführliche und gute Gespräche folgen.

 

Man ist als Vater und Mutter längst aus seiner katholischen oder evangelischen Kirche ausgetreten, wird von den Eltern und Verwandten bedrängt, dass endlich eine Taufe stattfinden müsse. Die jungen Ehepaare, mit denen man befreundet ist, haben dasselbe Problem, wollen aber auf keinen Fall das Neugeborene taufen lassen.

 

Für die Eltern sprechen der Reihenfolge nach folgende Gründe gegen die Taufe ihres Kindes:

 

1. Die Religionen, insbesondere die katholische Kirche, lehnt vehement jede Empfängnisverhütung ab. Wir wissen, dass schon jetzt lebende Menschen eine Zahl von Weltbewohnern erleben wird, die über 10,5 Milliarden beträgt.

Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung vervielfacht sich auch das Leid der Menschen insbesondere ihr Hunger. Wie immer betrifft das Leid in erster Linie die Kinder.

Viele Menschen beklagen, dass den großen Religionen die Kinder egal sind, wenn sie einmal auf der Welt sind.

Wir hören ja z.B. sehr selten, dass sich Religionen gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten einsetzen.

So kommen die Menschen zu dem Schluss, dass eine vehemente Ablehnung von Empfängnisverhütung und Familienplanung ein Verbrechen ist.

Im Umkehrschluss kann man die Religionsführer, explizit sei der jetzige Papst mit allen seinen Vorgängern genannt, als Verbrecher gegen die Menschlichkeit bezeichnen.

Die Haltung der Kirche und eine Taufe durch die Kirche schließen sich für viele Eltern natürlicherweise aus.

 

2. Kinder ab der Taufe in eine gewisse Obhut der Kirchen zu geben, ist für viele Menschen infolge der schlimmsten Verbrechen der Kindesmissbräuche (zutreffender: Seelenmorde) nicht mehr zumutbar.

Eine Studie aus 2017 besagt für den Kontinent Australien, dass 7 % aller Kleriker Kindern sexuelle Gewalt antun, das ist dort jeder 12. Kleriker.

Es ist davon auszugehen, dass dies in anderen Kontinenten nicht anders ist.

Es wird auch deshalb nicht anders sein, weil der Papst weiterhin diese Art von Verbrechen vertuscht. Es im einzelnen auszuführen, ist an dieser Stelle nicht möglich und angebracht.

In diesem Zusammenhang ist es vielen Menschen schon aus lauter Ekel nicht möglich, bei einer Taufzeremonie mit zu beten:

Fest soll mein Taufbund immer stehn, ich will die Kirche hören. Sie soll mich allzeit gläubig seh´n und folgsam ihren Lehren“.

Das Ekelgefühl vermag ich sehr gut nachzuvollziehen. „Folgsam ihren Lehren“, geht meiner Meinung nach für denkende Menschen nicht!

 

3. An die Taufpaten werden oft Anforderungen gestellt, die Menschen unserer Zeit nicht akzeptieren. Manche Geistliche lehnen geschiedene oder homosexuelle Personen ab, meist auch Menschen, die ihren Kirchenaustritt erklärt haben. Ausdrücklich werden Taufpaten abgelehnt, die sich einer geschlechtsumwandelnden Operation unterzogen haben (am 05.10.17 von Franziskus noch einmal ausdrücklich betont). Das verletzt sehr viele Menschen, manchmal so sehr, dass sie ihre entsprechende Kirche verlassen.

 

4. Die „Pflichten“ der Taufpaten im Falle des Ausfalls der Eltern sind noch immer schwerpunktmäßig so, dass sie versprechen müssen, die religiösen Ziele durchzusetzen in einer Erziehung. Das können Eltern und Paten heute eher noch selten versprechen, weil ihre Werteskala eine andere ist als die der Kirchen.

 

Das Sammelergebnis der „Sternsinger“ im Januar soll nach Angaben der Initiatoren für Kinder in aller Welt, jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt verwendet werden. Im Kleingedruckten findet man dann aber, dass für die Verwendung das „päpstliche Missionswerk der Kinder“ zuständig ist, also: Gutes tun und dabei missionieren – offensichtlich nicht helfen nach dem Grad der Hilfsbedürftigkeit.

 

Man versucht, sich modern zu geben. Besonders evangelische Pastoren wählen als Taufort unsere heimatlichen Flüsse und Bäche aus. Das vermag aber kaum zu überzeugen, weil es zwar vielleicht eher einem „biblischen“ Ursprung gerecht wird, aber an Inhalten nichts Neues bringt.

 

Aus all diesen Gründen, hinter denen ich persönlich auch stehe, komme ich seit Juli 2017 Wünschen von Eltern nach, Patenversprechen zu gestalten.

Unerwähnt darf auch nicht die „Vorhölle für ungetaufte Kinder“ bleiben. Ich habe sie auf meiner Website auch schon thematisiert.

Jahrhundertelang lehrte die katholische Kirche, dass nicht getaufte Kinder der „Vorhölle“ anheim fallen, provozierte damit zehntausende Mütter-Suizide, lehrte, dass man für diese Kinder „beten und opfern“ müsse, opfern versteht sich natürlich ganz besonders. Ich darf dabei die Bewegung der Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger machen!

2005 schaffte Ratzinger diese Lehre ohne Bischofssynode, ohne ein Konzil ab. Nein, er wählte einen 10-Zeiler und hat nicht den Anstand, sich zu entschuldigen.

Er fand auch keine Worte dafür, dass seine Kirche, um Menschen noch abhängiger zu machen, jahrhundertelang die „Nottaufe“, vorgenommen durch Laien bei Lebensgefahr des Kindes, propagierte.

 

Zur Abrundung erzähle ich Ihnen die Geschichte eines charakterlich sehr bösen Pfarrers aus meiner Heimatgemeinde Weilerswist aus den 1980er Jahren. Dieser „Pfarrer“ Hermann-Josef Lohne war für einen Samstag zur Taufe einer kleinen Heike verabredet, vier Monate alt.

 

Am Sonntag vor der geplanten Taufe starb das Mädchen den plötzlichen Kindstod. Lohne verweigerte eine Beerdigung, weil das Kind für seine Kirche, wörtlich „nicht existent“ sei. Kein Wort zu Eltern und Großeltern und Geschwistern, das auf Anteilnahme hätte schließen lassen. Die Eltern wandten sich an mich – ich war damals Leiter der Weilerswister Friedhofsverwaltung – mit der Bitte um Vermittlung.

 

Ich rief Lohne an, wir gerieten in Streit, der damit endete, dass Lohne sagte „Lassen Sie das Wurm durch Hofsümmer (Friedhofswärter) „verscharren“ und auflegte.

 

Ich vermittelte den Walberberger Pater Willibald, der bei den Menschen in der Region sehr beliebt war. Der wollte in der Weilerswister Kirche sogar ein Engelamt für Heike zelebrieren.

 

Lohne verbot dem Pater ein Betreten der Weilerswister Kirche und wollte ihm auch das Betreten der Friedhofskapelle und des Friedhofes Weilerswist verbieten. Auf „seinem“ Friedhof“ lasse er das nicht zu!

Ich habe ihm klar gemacht, dass er wie alle Geistlichen aller Konfessionen dort nur zu Gast sei und drohte ihm mit der Presse. Letztendlich nun nach Jahrzehnten ist wahr geworden, was ich dem schrecklichen Menschen angedroht habe: Ich habe nun mit diesen Zeilen seine Unmenschlichkeit in die Öffentlichkeit gebracht! Das tut auch gut, auch Heike zuliebe.

 

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass die Taufe eines der wichtigsten Machtinstrumente der Kirche ist, dem man sehr sehr kritisch begegnen sollte.

 

Man kann sich eine der Gestaltungsfacetten einer menschlicheren Patenschafts-übernahme so vorstellen:

 

Es findet ein ausführliches Gespräch, wenn gewünscht auch mehrere Gespräche mit Eltern und den vorgesehen Paten statt.

In einer tief gehenden Betrachtung werden die Dinge erörtert und wenn man zu dem Schluss kommt, auf eine konventionelle Taufe zu verzichten, dann wird die Gestaltung besprochen.

 

Sie unterscheidet sich von Taufen herkömmlicher Art dadurch, dass auch bis zu vier oder sechs Paten in Anspruch genommen werden können. Hier sollte dann die zahlenmäßige Grenze sein.

 

Die Paten dürfen eine Lebensführung nach ihrer Art haben, die Gründe weswegen sie möglicherweise von Religionsgemeinschaften von der Patenschaft ausgeschlossen würden, spielen absolut keine Rolle. Das Paten-Mindestalter sollte 16 Jahre betragen.

 

Die Eltern legen Ort und Art der Feier fest, das wird meist ein festlicher Rahmen sein in einem Privathaus oder in einer Gastronomie, wo auch anschließend gefeiert wird.

 

Die Paten können sich dann überlegen, ob sie ein Versprechen vor der gesamten (Paten)-Festgesellschaft abgeben mit eigenen Worten oder ob sie sich vom Zelebranten fragen lassen und vor der Gemeinschaft ihr JA sagen.

 

Man kann sich vorstellen, dass die Versprechen in dieser Art abgegeben werden:

 

Ich werde im Falle des Ausfalles der Eltern dafür Sorge tragen, dass mein Patenkind keine Heimerziehung bekommt sondern einen Pflegeplatz in einer Familie, die die Werte der Eltern vertritt.

 

oder:

 

Ich werde Sorge dafür tragen, dass mein Patenkind die Vielfalt der Gesellschaft anerkennt und keinen Unterschied macht zwischen Hautfarben, Herkunft, sexueller Orientierung, Alter, Behinderung oder Nichtbehinderung, dass es keinen Menschen demütigt und dass es die Tiere als unsere Geschwister anerkennt und die Natur hegt und pflegt für kommende Generationen. Die Ehrfurcht vor dem Leben, der Verzicht auf Ausgrenzung sollen meinem Patenkind, seinen Eltern und mir ganz wichtig sein.

 

oder:

 

Mein Anliegen ist es, dass mein Patenkind, wenn die Eltern dafür nicht mehr einstehen können, keine politischen Extrempositionen einnimmt, dass soziale Gerechtigkeit in seinem Tun und Wollen einen gehobenen Platz hat und bereit ist, aktiv an der Erhaltung der Lebensqualität anderer Menschen mitzuwirken.

 

oder

 

Mein Anliegen ist es, dass mein Patenkind unter meiner Begleitung Religionsfreiheit verteidigt, aber Religionsgemeinschaften immer wieder aus neue auf den Prüfstand stellt

 

Damit ist gesichert, dass nicht Steuerzahler für eine Kirche rekrutiert werden, sondern mit einem hohen ethischen Anspruch ein Bekenntnis für eine gute und gerechte Welt ausgesprochen wird.

 

Man kann sich noch viele ähnliche Texte vorstellen. Ich für mich kann mir nicht vorstellen, bei der Zeremonie Taufwasser zu verwenden. Es läuft meinem Wesen vollkommen zuwider, in dieser Weise kirchliches Handeln nachzuäffen.

 

Ich verstehe mich als Moderator.

 

Mein Anliegen ist es, dass diese Zeremonie ernst ist, wo Ernst angebracht ist und dass fröhlich gefeiert wird im Anschluss. Es soll mein Beitrag sein, unsere Zeit, die nicht eben schön und bitter arm an Werten ist, mit einem ethischen Anspruch zu begleiten, den Religionsgemeinschaften nicht zu geben bereit sind.

 

Schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Gesellschaft auf.

 

Zur Klarstellung: Ich verurteile auch die Zwangsbeschneidung von Knaben bei Juden und beim Islam. Das ist moralisch nicht weniger verwerflich. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das uns das Grundgesetz garantiert, hat einen höheren Rechtsrang, als einem Kind, das nicht einwilligen oder widersprechen kann, aus angeblich religiösen Gründen Schmerzen zuzufügen und das nicht selten durch völlig sachunkundige Personen.

 

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