Josef das vergessene Kind

 

 

 

Zu meinen wichtigsten Veröffentlichungen gehört das 2003 im Landpresse Verlag Weilerswist erschienene Buch “Josef, das vergessene Kind”. Die Recherchen dazu waren äußerst schmerzhaft und ließen in mir den Wunsch entstehen, einen Teil meiner Lebenskraft gegen vergangene und gegenwärtige Nazis zu investieren.

Josef war ein 1937 in meinem Geburtsort Hausweiler geborenes Kind, dessen leiblicher Vater nicht zu der Vaterschaft stand, weil zum einen dessen Vater ein örtlicher Nazi war, zum anderen die Kindesmutter leicht geistig behindert gewesen ist.
Man streute die Mär eines Inzests zwischen der Mutter und ihrem Bruder.
In der Folge wurden die beiden Geschwister zwangssterilisiert und Josef verschiedenen Heimen zugeführt. 
Dabei war das Kind niemals körperlich oder geistig behindert.

Nach langen Qualen wurde Josef im September 1943 mit über 800 weiteren Kindern in der Kinder-Euthanasie der Nazis in der Wiener Anstalt “Im Spiegelgrund” umgebracht. Die Mörder entnahmen die Gehirne und verwerteten sie für “die Wissenschaft”. Es wurde viel an entsprechenden Büchern verdient.
2000 wurden die Gehirne entdeckt und in einem Staatsakt in einem Ehrengrab des Wiener Zentralfriedhofs beigesetzt.

Der mutmaßliche Mörder ist nie verurteilt worden und erst 2005 verstorben. In seiner Zeit als staatlicher Gutachter, Arzt und Schriftsteller war ihm der Schutz der österreichischen Politik lange sicher.

Dieses Buch hat einen großen Erfolg.
Mehr als 30 Lesungen habe ich damit gehalten; stets unter der Bedingung einer anschließenden Diskussion.

Meine Lesereisen führten mich ins El-De-Haus nach Köln, nach Vorarlberg, nach Dinkelsbühl und in viele Orte des Kreises Euskirchen.

Besonders wichtig aber sind mir die Auftritte in Schulen, ganz besonders in Berufs-Kollegs.
Geradezu messbar ist es, latente Neo-Nazi-Einstellungen mit einer einzigen Lesung und einer langen Diskussion in Frage oder gar abstellen zu können.

Ganz wichtig ist mir der Auftritt im Juni 2012 im Bündnis gegen Rechts, dass sich gegen die Werner-Peiner-Ausstellung in Schleiden-Gemünd wendet. Peiner war nach Meinung Hitlers ein “gottbegnadeter Künstler”. Das stimmt ganz sicher nicht. Ich bin mit dem Bündnis der Meinung, dass die Ausstellung überflüssig wie ein Kropf ist und nur Wasser auf die Mühlen von Neo-Nazis ist. Die Einladungskarte mit einem Foto Görings in Parade-Uniform und Peiner an seiner Seite ist eine einzige Provokation!

Josef Brock ist mir geworden wie ein eigenes Kind. Einmal im Jahr besuche ich sein Grab in Wien.

Vor seinem Geburtshaus durfte ich Pate eines Stolpersteins sein, den der von mir verehrte Künstler Günter Demnig am 04.12.2010 verlegt hat. Auch durfte ich die Ansprache halte, die erwartungsgemäß eine sehr kritische war.

Ein wichtiges Anliegen im Rückblick auf die Nazi-Zeit sind mir die nicht aufgearbeiteten Verbrechen einzelner Berufsstände.

Besonders hervorzuheben sind die Mediziner und die beiden Konfessionen mit Schwerpunkt auf der katholischen Kirche.

Die den Faschisten Europas freundlich gesonnenen Päpste Pius XI. und Pius XII. werden verlogen und freundlich dargestellt, obwohl die mittlerweile zugänglichen Quellen und Aussagen der Zeitzeugen eine andere Sprache sprechen.
Mich interessiert ganz besonders die “Rattenlinie”, von Altnazis und einem besonders von Pius XII. eingesetzten Bischof (Alois Hudal, +1962), die es schafften, Verbrecher wie Eichmann, Mengele oder Pavelic, Prozessen und Strafen zu entziehen.

Auch ein besonderes Augenmerk findet die extrem grausame Ermordung von Serben durch Pavelics Kroaten. Besonders orthodoxe Christen fanden in Gemetzel, die nachweislich auch von katholischen Ordensangehörigen begangen wurden, schreckliche Tode.
Es bleibt zu recherchieren und zu dokumentieren, ob nicht passives Tun von Pius XII. und Bischof Stepinac (selig gesprochen!) eine Rolle gespielt haben.

 
 
 

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